Innovation nach Corona: Jetzt das Richtige richtig machen

Die Corona-Krise markiert den Anbeginn einer geradezu prototypischen Aufbruchszeit: Gerade jetzt gilt es, mutig zu denken und zu innovieren – aber nicht im Sinne des alten Spiels, wo Neues um seiner selbst willen angestrebt wird. – Ein Auszug aus der Studie Wirtschaft nach Corona.

Von Harry Gatterer


Meeting

Die Corona-Krise ist eine gigantische Dekonstruktion des Alltags und der wirtschaftlichen Wirkungsbeziehungen. Sie sprengt Normalität, vernichtet bis dato verbreitete Vorstellungen des Zukünftigen und öffnet neue Möglichkeitsräume. Sie führt viele Unternehmen an einen Punkt, an dem sie sich neu erfinden müssen. Sie begeben sich auf eine Rückwärtsschleife der Erneuerung. Der Blick auf den Resilienzzyklus der sogenannten Lazy Eight zeigt: Am kritischen Punkt der Bifurkation gibt es zwei Möglichkeiten: den Versuch, am alten Status quo festzuhalten, das Zurück ins alte Spiel – oder den Sprung in die Innovation, hin zu einem Neustart, einem neuen Spiel.


Dieses neue Spiel erfordert von allen Unternehmen eine permanente Adaption – und damit auch ein neues, ganzheitlicheres Verständnis von Innovation. In diesem dynamischen Prozess der Erneuerung werden klassische Ziele wie Umsatzsteigerung oder Key Performance Indicators (KPIs) als das deutlich, was sie sind: Mittel zum Zweck. Entscheidend für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg wird künftig aber die Frage der erfolgreichen Adaption – und damit auch: der zukunftsfähigen Innovation. Denn adaptiv sein kann nur, wer in der Lage ist, richtig zu innovieren. Wer dabei jedoch nur auf Schnelligkeit setzt, kann auch schnell das Falsche tun. Jetzt geht es darum, das Richtige richtig zu tun, mit Blick auf die großen Zusammenhänge. Das ist nicht nur eine Frage von kaufmännischem Geschick, sondern vor allem von Haltung und Mindset. Es geht um das Verstehen und Nutzen von Komplexität, um den Aufbau von Ökosystemen statt Ego-Systemen, um die Re-Fokussierung auf Wirkungen statt auf Ergebnisse. Jetzt ist die Zeit gekommen, Innovation komplexer zu denken.

Entscheidend für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg wird künftig die Frage der erfolgreichen Adaption.“

Erste Orientierung im Chaos: 4 Fragen


Für die Neujustierung nach der ersten Krisenintervention müssen Unternehmen 4 zentrale Fragen beantworten:

  • Welche Weichen können und wollen wir jetzt stellen?

  • Was sind unsere Hebel in der Rückwärtsschleife?

  • Was haben wir in den vergangenen Jahren als Organisation trainiert, vorbereitet oder erprobt, das in der Konfusion zu „neuen Bildern der Zukunft“ führt?

  • Wie können wir dies durch neue Beziehungen und mittels der verfügbaren Technologien in Richtung Innovation bewegen?


Innovation als Erkenntnisprozess: 4 Aufgaben


Für die Neujustierung nach der ersten Krisenintervention müssen Unternehmen 4 zentrale Aufgaben erfüllen:

  • Überprüfen und Kuratieren von bisherigem Wissen

  • Bewusstmachen der Prämissen, auf denen die Wahrnehmung des eigenen Unternehmens sowie der Wirtschaft, Gesellschaft und Natur beruht

  • Wahrnehmen und Aufdecken der Möglichkeiten, Wirtschaft, Gesellschaft und Natur auch anders zu verstehen – auf Basis alternativer Grundannahmen

  • Bewerten der Möglichkeiten und Erkennen einer lohnenswerten und wertvollen alternativen Perspektive

Diese erkenntnisorientierte Innovationsmethode der Perception-driven Innovation ist eine Art Meta-Methode für Innovationsprozesse, die eine neue Qualität von Innovationen hervorbringen kann. In diesem Sinne kann der Erkenntnisprozess allen anderen Innovationsprozessen vorausgeschaltet werden, an ihn können sich die bekannten Innovationsmethoden „anlagern“. Wichtig zu verstehen ist: Perception-driven Innovationführt zu Erkenntnis – nicht zu Produkten. Diese Innovationsmethode ist nicht leistungs- und handlungsorientiert, sondern reflexiv nach innen gerichtet. Die Herangehensweise an eine Aufgabenstellung ist damit eine psychologisch- emotionale, die nur mit echter Offenheit für einen Perspektivwechsel zum Erfolg führen kann.



Innovation der Innovation: Exnovation, Renovation, Imitation


Die Post-Corona-Ökonomie orientiert sich zunehmend in Richtung Postwachstum. Dabei wird die „klassische“ Innovation um drei Innovationsarten ergänzt, die auf eine Neu- und Wiederentdeckung bereits bestehender Lösungen und Potenziale zielen:

  • Exnovation umfasst neue Handlungsoptionen, die stark substitutiv wirken. Ein Beispiel ist die Energiewende: Das Wachstum erneuerbarer Energien zerstört den Markt für kernfossile Energien und verdrängt die alten Innovationen Kohlekraft und Kernkraft. Ähnlich ersetzt die Sharing Economy das eigene Auto oder Wikipedia gedruckte Enzyklopädien.

  • Renovation beschreibt die Entfaltung der innovativen Potenziale von Bestehendem. Beispiele sind das Redesign von existierenden Produkten (etwa neue Versionen des ICE), Bezüge zur Do-it-together Bewegung (Maker-Spaces, Repair-Cafés) oder ein Remanufacturing, das auf verlängerte Produktlebenszyklen abzielt.

  • Imitation bezeichnet die Reaktivierung vergessener oder aus der Mode gekommener Lösungen. Beispiele sind der Boom des Biolandbaus, der vor mehr als 150 Jahren Standard war, oder lokale Tauschringe, die es schon nach Kriegen und in Zwischenkriegszeiten gab.Jedes unserer Layouts ist technisch am Puls der Zeit. Ihre Leser können Beiträge in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter teilen, mit „Gefällt mir” markieren, kommentieren und mehr. Es war noch nie so einfach, eine Online-Community aufzubauen, wie mit Wix.


In der Post-Corona-Innovation geht es ums Ganze

Die Corona-Krise öffnet neue Möglichkeitsräume, in denen sich nun neue Strukturen bilden. Innovationen werden sichtbar und beginnen zu wirken, aus Prototypings entwickeln sich reale Angebote und Wachstumspfade – und neue Geschäftsmodelle, in denen die großen Kontexte, von Wirtschaft und Gesellschaft bis zu Mensch und Natur, stärker an Relevanz gewinnen gegenüber dem tradierten Kontext des Marktes. Wir begegnen der Welt mit einem größeren Bewusstsein für globale Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Der Rahmen für Entwicklungsmöglichkeiten und Innovationen muss deshalb künftig größer gesteckt werden, geleitet von der Komplexität der Welt.

Corona hat klargemacht: Zukunftssicherheit, ja sogar Überlebensfähigkeit, hängt ab von Vielfalt statt Eindimensionalität.“

Innovation kann weniger denn je als Einmaltätigkeit verstanden werden, sondern vielmehr als ständiger Prozess, dessen Zukunftsdynamik auf das große Ganze zielt. Die Corona-Krise markiert dabei den Anbeginn einer geradezu prototypischen Aufbruchszeit. Gerade jetzt gilt es, mutig zu denken und zu innovieren. Unternehmen, die gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wollen, brauchen die Bereitschaft, die Zukunft aktiv zu gestalten und dabei größer zu denken. Künftig steht das große Bild der Weltentwicklung im Vordergrund, selbst für kleine Unternehmen. Denn Corona hat klargemacht: Zukunftssicherheit, ja sogar Überlebensfähigkeit, hängt ab von Vielfalt statt Eindimensionalität. Je höher die Frequenz der Störungen wird, desto mehr wird langfristige Planung obsolet. Die Fokussierung auf Zahlen und lineare Ketten greift zu kurz, weil diese nur unterkomplex abbilden, was im und um das Unternehmen geschieht. In der Post-Corona-Wirtschaft wird die permanente Anpassung zum Regelfall, und auf die Effizienz folgt die Resilienz: die Fähigkeit, beweglich zu bleiben und sich auch in Krisenzeiten bestmöglich anzupassen.



Beitrag im Original lesen: Innovation nach Corona: Das Richtige richtig machen (zukunftsinstitut.de)


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